Das architektonisch wertvolle Gebäude im Stil der Neuen Sachlichkeit ist ein Stück Chemnitzer Identität. Zu seiner Fertigstellung im Jahr 1935 war es das größte und modernste Hallenbad Europas. Außen wie innen ist der Bau von Klarheit und Zweckmäßigkeit geprägt. In einem Konzept verschachtelter Kuben sind die 50 m-Schwimmhalle, die 25 m-Schwimmhalle und die nachgelagerten Einrichtungen übersichtlich angeordnet. Die 50 m-Schwimmhalle, der größte und wichtigste Raum des zweigeschossigen Bauensembles, verfügt über eine umlaufende Empore und eine vollflächige Glasdachkonstruktion. Diesem herrschenden Raum ist das repräsentative Foyer mit Kasse, Cafeteria und Garderobe vorgelagert. Der Vorplatz des Stadtbades an der Brückenstraße wird durch Freitreppen, Pergolen, Plastiken und Fahnenmasten akzentuiert.
Chemnitz war Kulturhauptstadt Europas 2025.
Innenstadt von Chemnitz; Nord-Süd-Achse parallel zur Mühlenstraße ausgerichtet
Hallenbad mit Zusatzeinrichtungen: 2 Schwimmhallen mit Nichtschwimmerbereich; Gastronomie im Foyer, Seminarraum im OG; Finnische Sauna, Dampfsauna, Saunagarten; Fußpflege, Kosmetik, Solarium, Massage
Das Gebäude steht seit 1980 unter Denkmalschutz. Daran orientierten sich bereits die umfangreichen Sanierungen in den 1980er und 1990er Jahren. Den aktuellen Nutzungsanforderungen wurde jedoch Rechnung getragen: u. a. wurden die Sprungtürme vom 50 m- an das 25 m-Becken verlagert, Aufzüge für Rollstuhlfahrer eingebaut und eine Solaranlage installiert. 2009-2010 folgten weitere Baumaßnahmen, u. a. der zeitgenössische Umbau der Umkleide- und Sanitärbereiche der Damen und Herren an der 50 m-Schwimmhalle durch das Büro Kreplin und Duwensee Architekten, die Fassadensanierung der 50 m- Halle und der 25 m- Halle in Richtung Eingangsbereich sowie energetische Modernisierungen.
Stilistisch ist das Stadtbad der Klassischen Moderne, genauer der Strömung der Neuen Sachlichkeit, zuzuordnen. Im Detail finden sich auch neoklassizistische Anklänge. Das Gebäude ist durch eine differenzierte Baumassengliederung gekennzeichnet. Äußerlich betrachtet, setzt es sich aus großen, gelblich-weißen Kuben zusammen. Der Vorplatz des Stadtbades entstand anstelle einer nicht realisierten dritten Schwimmhalle. Figuren aus dem Badeleben sowie Wassertiergruppen auf den vier Fahnensockeln verleihen dem Vorplatz eine lebendige Nuance. Der Bau entstand nach den Plänen des Stadtbaudirektors Fred Otto 1928-35. Das Stadtbad kann als eines seiner Meisterwerke bezeichnet werden, wie auch sein Sparkassengebäude von 1930, heute Museum Gunzenhauser der Kunstsammlungen Chemnitz.
Klassische Moderne
1928-35
20. Jahrhundert,
21. Jahrhundert
Sein einzigartiges Ambiente verdankt das Stadtbad Chemnitz der zurückhaltenden, zweckmäßigen Gestaltung, dem Einsatz hochwertiger Materialien und der Anwendung von Kunst am Bau. Die umlaufende Empore mit Brüstungsgeländern aus Messing wurde in der 50 m- Schwimmhalle ursprünglich als Zuschauerraum für schwimmsportliche Veranstaltungen errichtet. Das Eingangsfoyer wurde raumhoch mit Muschelkalk verkleidet. Als Fußbodenbelag des Foyers fand ebenfalls ein Naturstein Verwendung. Einige funktionale Kunstobjekte stammen aus der Entstehungszeit des Hallenbades, u. a. die Uhr mit zwei liegenden Sportlern über der Kasse im Foyer oder die Tierkreiszeichenuhr in der 50 m-Schwimmhalle.
Als hochmoderne Schwimmlehr- und Wettkampfstätte und als Familienbad erlangte das Stadtbad große Beliebtheit unter der Chemnitzer Bevölkerung. Es gehört zu den wenigen Gebäuden des Chemnitzer Stadtzentrums, das den Zweiten Weltkrieg überstand. Mit seinem enormen Stellenwert als Sport- und Erholungszentrum und als herausragendes Baudenkmal der Moderne war und ist das Stadtbad ein Teil Chemnitzer Identität.